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    <title>imachine : Rubrik:Das Firmament</title>
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    <dc:publisher>hagbarth</dc:publisher>
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    <title>imachine</title>
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  <item rdf:about="http://imachine.twoday.net/stories/4714447/">
    <title>7. Der Fahnder 2</title>
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    <description>In unserem Job darf man nicht pingelig sein. Wir haben mit dem Auswurf zu tun, manche sagen, wir seien selber Auswurf, egal damit kann ich leben. In unserem Job haben wir mit allem zu tun, was der menschliche Körper auszuscheiden vermag; Blut, Schweiß und Tränen sind davon noch die hübscheren Möglichkeiten. Wir fragen auch nicht lange, dazu bleibt selten Zeit, es wird nicht gefackelt, es werden Tatsachen geschaffen. Oft genug tote Tatsachen. Wer also bei uns schwache Nerven hat, der macht&apos;s nicht lange. Schwache Nerven sind dabei das, was Otto Normalverbraucher so als Alltagskostüm trägt. Wir sind die Elite der Eliten, gedrillt, gehärtet und gnadenlos. Unsere Gefühle wurden während der Ausbildung weggeäzt. Wir kennen keinen Hass und keine Liebe, keine Trauer und keine Freude, keine Furcht und keine Mitgefühl. Als Menschen sind wir schon lange tot. Aber wir haben dennoch eine Art Ehre. Wir machen unseren Job, wir machen ihn gut und wir machen ihn effektiv. Aber mit dem Stück Ehre, was uns geblieben ist, können wir uns bei allem, was wir tun, immer noch zu den Guten zählen. Wahrscheinlich sind wir selbst die einzigen, die das tun, aber so ist es nun mal. &lt;br /&gt;
Lewandowski hatte keine Ehre. Lewandowski war ein Schwein. Er gehörte nicht zu den Guten. Ihn hatten uns die Polen überlassen und ich bin mir sicher, sie waren froh um die Möglichkeit. Lewandowski wa rein Sadist, der es liebt in den Exkrementen anderer rumzuwaten. Ihnen die Därme rauszureißen, die Augen auszustechen, die Lungen leerzusaugen, die Haut abzuziehen, das Hirn auszulöffeln, Lewandowski war ein Schwein und jetzt war er tot. &lt;br /&gt;
Dass er ein Schwein war, war nicht in Ordnung, nie. Dass  er jetzt tot war, war erst recht nicht in Ordnung, denn er gehörte immerhin zu unserer Abteilung. Wie er gestorben sein sollte, was mir dieser stille Spinner da erzählte, das war überhaupt nicht in Ordnung. Und deshalb war es mir auch scheißegal, was der Kandidat von seinem verschwundenen Freund erzählte, was er von einer Fermate quasselte, in der die Zeit still stände und von der Bedrohung des ganzen Planeten wegen seiner Musikgeschichten. &lt;br /&gt;
Für mich war hier und jetzt so ziemlich garnichts in Ordnung. Ein Zustand, bei dem ich zur Höchstform auflaufe.</description>
    <dc:creator>hagbarth</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://imachine.twoday.net/topics/Das+Firmament&quot;&gt;Das Firmament&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 hagbarth</dc:rights>
    <dc:date>2008-02-17T21:17:00Z</dc:date>
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    <title>Intermezzo</title>
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    <dc:date>2008-01-15T22:40:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://imachine.twoday.net/stories/4621776/">
    <title>Die Fermate</title>
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    <description>&quot;Wie funktioniert Wiedergeburt nicht?&quot; Ich hatte den Faden verloren. Im Radio erzählte einer davon,&lt;span style=&quot;font-style:italic;&quot;&gt;wie es für ihn die leichtetste Sache der Welt war, nach Belieben die Zeit anzuhalten. Wie es ihm genügte, den inneren Taktstock ein wenig zu heben, und mit einem Ruck war ihr gesamtes Treibgut - die emsigen Straßenbahnen, verhärmten Imbissbuden, die Reklameplakate und das tief sinnlose Gewirbel und Gelärme auf Großstadtplätzen, wie eingefroren; und seelenruhig konnte er in das Tableau vivant hineinspazieren und darin aufgehen, während alles um ihn her stillhielt.*&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
(*&lt;span style=&quot;font-style:italic;&quot;&gt;aus: Ein Sonntag des Lebens, von Urs Grünbein, FAZ, 29.Dez. 2007&lt;/span&gt;)&lt;br /&gt;
Was erzählte der da, was erzählte er meine Geschichte? Ich war sehr, ich war äußerst irritiert. &lt;br /&gt;
&quot;Wie funktioniert Wiedergeburt nicht?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Es ist nicht die gleiche Geschichte noch einmal, in einer anderen Umgebung zu einer anderen Zeit. Nichts ist gleich, nichts wiederholt sich. Auch das gehört zu den Dingen, für die unsere Sprache nicht geschaffen ist.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Dann nimm dir jetzt Zeit und hör mir zu.&lt;br /&gt;
Es war noch zu der Zeit als ich für Schott arbeitete. Wir waren zu Verhandlungen nach Köln gefahren. Es ging um eine neue Ausgabe des &apos;Gotteslob&apos;, des Gebets- und Gesangbuch der Diözesen und Bistümer. Man dachte ernsthaft an eine gemeinsame Ausgabe. Natürlich wurde nichts daraus. Mit den Katholen verhandeln ist schlimmer als mit der Gewerkschaft, und die sind schon uneins. Die Konferenzen fanden im Sitz des Kardinals in der Marzellenstraße statt, untergebracht waren wir im Kopinghaus, ganz in der Nähe. &lt;br /&gt;
War es nun wegen der allgemeinen klerikalen Athmosphäre oder nicht, ich suchte etwas Ruhe und zog mich in eine kleine Kirche nahe des Domes zurück. Kirchen eignen sich nun mal hervorragend für Ruhepausen. Später erfuhr ich, sie heißt St. Andreas und ist einem Dominikanerkloster angeschlossen.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ahh! Die Hunde des Herrn.&quot; grinste Conny.&lt;br /&gt;
&quot;Was meinst du damit?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Domini Cani! Egal, lass dich nicht stören, erzähl weiter.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;In der Krypta hat man einen steinernen Sarkophag mit den Gebeinen des Albertus Magnus. Soll, wie der Name schon sagt, ein großer Mann gewesen sein. 13. Jahrhundert. &lt;br /&gt;
Dort passierte es zum ersten Mal. Zunächst bemerkte ich es garnicht. Ich saß dort, ruhig, meine Gedanken sortierend, und eine Träne stahl sich aus meinem linken Auge. War es wegen des dämmrigen Kerzenlichtes, war es wegen der Kühle im unterirdischen Raum. Ich wischte sie mit dem Daumennagel weg. Die Kerzen begannen wieder zu flackern. Wie lange sie unbewegt gewesen waren, weiß ich nicht, ich hatte es, wie gesagt, nicht bemerkt. &lt;br /&gt;
Es dauerte eine Weile. Den Blick starr in eine Kerze gehalten, kam wieder eine Träne aus dem Augenwinkel. Die Kerzen flackerten nicht mehr. Alles wurde sehr, sehr ruhig. Die Luft war spürbar unbewegt, kein kleinstes Gräusch. Ich konnte mich bewegen, doch wie unter Wasser. Etwas schwerfällig. Ich konnte atmen, doch musste ich tief die Luft einsaugen. Es existierte keine Zeit, der Augenblick war eingefroren. Wie weit? Nur hier unten? Lief oben auf den Straßen das Leben weiter oder hatte ich das gesamte Universum angehalten? Hatte ich überhaupt das Universum oder die Zeit angehalten oder mich in den Augenblick eingeschlossen? Würde es von selber aufhören? Würde ich es beenden oder beendete es mich? Mir wurde kalt.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ohne Frage war ich beunruhigt. Etwas sehr entscheidendes war soeben geschehen. Wer wäre da nicht beunruhigt. Ich hatte eine neue, mir, und wahrscheinlich den meisten Mitmenschen, völlig fremde Dimension betreten. Betreten im wahrsten Wortsinn. Und ich wusste nicht zu diesem Zeitpunkt, ob ich diese Dimension je wieder würde verlassen können. Ohne Frage war ich beunruhigt. Deshalb versuchte ich als erstes, wieder raus zu kommen. Selbst auf das Risiko hin, hier nie wieder rein zu kommen, um den Zustand ausgiebig erforschen zu können, wollte ich erst einmal wissen, ob es den Weg zurück gäbe. Ich wischte mir mit dem Daumennagel die Träne weg. Die Kerzen flackerten wieder.&quot;&lt;br /&gt;
Obwohl Conny noch immer lächelte, so wie er immer lächelte, drang eine fast bedrohlich strenge Ernsthaftigkeit durch seine Mimik. &quot;Warum erzählst du mir das erst jetzt? Warum lässt du mich so lange zappeln? Uns läuft die Zeit davon - auch das im Wortsinn - und du spielst Verstecken.&quot;&lt;br /&gt;
Das Café war klein und übersichtlich. Wenn man zur Tür hereinkam gab es zur Rechten einen Raum der für drei Tische mit je vier Stühlen Platz bot. Dann, etwas weiter in den Raum hinein, kam die Theke, die L-förmig mit dem langen Schenkel nach hinten zog. Dazwischen blieb Platz für den Durchgang zu den Toiletten, links an der Wand standen vier kleinere Tische mit je zwei Sitzplätzen. An einem davon saßen wir, ich mit dem Rücken zur Tür. Außer uns befanden sich keine Gäste im Lokal. Als sich die Ladentür öffnete, gab es zuerst ein schnarrendes Geräusch, weil die Tür über den Boden schabte, in das sich das Gebimmel eines altmodischen Glöckchens mischte, das oben an der Tür mit einem schmalen Winkeleisen angebracht hatte. Langsam lernte ich, Connys Gemütszustand in seinem Gesichtsausdruck zu lesen. Hohe Aufmerksamkeit, getarnt hinter einem Schleier belustigter Gedankenlosigkeit. Das passte zu meinem etwas doofen Gestammel über nicht wissen, wonach du suchst und klingt ja auch bescheuert, sich in angehaltener Zeit zu bewegen, während Conny völlig selbstverständlich etwas Kleingeld aus der Jackentasche kramte und fünf Euro fünfzig neben seine Kaffeetasse zählte. Das reicht für uns beide und geringes Trinkgeld. Als dann der Kellner zwischen dem neuen Gast, der sich an einen der großen Tische gesetzt hatte, und der Tür stand, um die Bestellung aufzunehmen. erhob sich Conny von seinem Platz, griff meinen Arm, hob mich unmissverständlich hoch und schob mich zum Ausgang. &lt;br /&gt;
Wir standen im Nu vor meinem Wagen. Jetzt zeigte sich, wie klug Connys Wahl des Parkplatzes war. Wir konnten ohne rangieren gerade nach vorne losfahren. &lt;br /&gt;
&quot;Ich hab schon länger den Eindruck, dass wir beobachtet werden. Anfangs glaubte ich, es sei einer aus der Familie, aber inzwischen habe ich berechtigte Zweifel. Der Beobachter kommt aus dem Kalifenstaat und verfügt über Psi-Kräfte. Ob er zu den Guten oder den Bösen gehört, ich weiß es nicht. &lt;br /&gt;
Vielleicht war auch der junge Mann eben in dem Cafè völlig harmlos. Hast du ihn erkannt?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Warum sollte ich? Außerdem hab ich ihn kaum gesehen. Es ging alles sehr schnell und der Kellner stand dazwischen.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Du kanntest das Café nicht, aber es kam dir alles darin irgendwoher bekannt vor. Stimmt&apos;s?&quot; orakelte er vom Beifahrersitz. Ich hatte inzwischen mehrmals in den Rückspiegel geschaut, aber konnte keine Verfolger erkennen. Vielleicht war das alles auch nur eine Ausgeburt der Paranoia eines angeblichen Zen-Abts. Vielleicht stand es auch noch schlimmer um ihn. &lt;br /&gt;
&quot;Die Welt ist wirklich in großer Gefahr, Alles zerfranselt und verliert an Substanz. Ein gut Teil dessen, was wir für die Wirklichkeit ansehen, wird nur noch aus Erinnerungsfetzen zusammengehalten. Gottseidank schauen die meisten Menschen nie so genau hin. &lt;br /&gt;
Dieses schmuddelige kleine Café existiert eigentlich nicht, es besteht nur aus verschiedenen Elementen deiner und meiner Erinnerungen. Wir brauchten schnell einen sicheren Platz, aber ich befürchte, die Gegenseite ist uns näher, als uns lieb sein kann.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab ziemlich wenig Verkehr. Was solls, in dieser kleinen Stadt ist fast immer wenig Verkehr. Er würde nicht einmal auffallen, hätte man nicht ein ausgeklügeltes System von Ampelschaltungen, die immer wieder einen kleinen &lt;a href=&quot;http://goldgrube.blogspot.com/2006/02/kreuzung.html&quot;&gt;Automobilkumulus&lt;/a&gt; erzeugten. Es war die letzten beiden Tage ziemlich heiß hergegangen. Ich könnte wirklich mal eine kleine Verschnaufpause gebrauchen.&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich täte es der ganzen Erzählung überhaupt gut, wenn sie etwas epischer wäre, nicht so hektisch, voller action, ständig fällt dem Autor was Neues ein, man kommt garnicht dazu, überhaupt zu verstehen, um was es hier geht. Würden nicht ausführlichere Schilderungen der &lt;a href=&quot;http://home.pages.at/shiatsuonline/default.htm&quot;&gt;Szenarien&lt;/a&gt; guttun , Beschreibungen der Topfpflanzen auf dem Fensterbrett, der &lt;a href=&quot;http://www.via-verlag.com/1355.0.html&quot;&gt;Wechsel des Tageslichts&lt;/a&gt; und seine Wirkung auf dem Gesicht einer zufälligen Passantin, Das Gefühl der nackten Füße auf dem frisch gewachsten Holzdielenboden. Die Oberfläche des &lt;a href=&quot;http://www.sankt-andreas.de/module/galleries/index.php/3/3/0/45&quot;&gt;Sarkophags&lt;/a&gt;. Der Geruch von gewachstem Sägemehl, mit dem der Kirchenboden gereinigt wird (Sägemehl, nicht Geruch) Das Spiel der Finger mit tropfendem Wachs einer abbrennenden Kerze, Das wachsende Gefühl der Unruhe, wenn sich langsam, sehr langsam, viel zu langsam das Bewusstsein wieder meldet und die Wirklichkeit sich einschaltet und eine innere Instanz, nennen wir sie Instinkt, mitteilt, dass gerade ein großartiges Ablenkungsmanöver stattfindet. Dass hinter der nächsten Ecke oder von rechts oder von links, egal, dass Gefahr droht. Anscheinend gibt es hier vorerst keine Ruhe, anscheinend darf ich mich nicht in kleine nebensächliche Betrachtungen verlieren, anscheinend ist die Atmosphäre mit Speed vollgepumpt und anscheinend muss ich da durch. Anscheinend muss sich auch andauernd etwas wiederholen, vielleicht soll so ein Rhythmus entstehen, ein herzklopfender beat oder etwas soll sich ins Hirn einhämmern. Dass Gefahr droht. Ich habe den anderen Wagen nicht gesehen. Damit meine ich, dass ich ihn nicht gesehen habe. Nicht, dass ich unaufmerksam war (vielleicht war ich auch unaufmerksam) aber &quot;den Wagen habe ich nicht gesehen&quot; bedeutet: Er war nicht auf der Straße, als ich auf die Straße geschaut habe. Die Straße war leer. Ich habe eine leere Straße gesehen. Zumindest in meinen Augen war die Straße leer, auf was soll ich mich sonst stützen, wenn ich durch die Welt gehe beziehungsweise fahre. Ich kann wohl kaum einfach mal so auf die Bremse treten, weil da ein Wagen sein könnte, den ich gerade nicht sehe. Ich bremse, wenn ich einen Wagen sehe, nicht, wenn ich keinen sehe. &lt;br /&gt;
Dann gab es unvermittelt einen Ruck und einen Knall, oder in umgekehrter Reihenfolge oder gleichzeitig. Der Wagen, ein weißer Volvo älteren Baujahrs, drückte sich heftig in die rechte Seite. Mir quoll eine Träne aus dem linken Auge. Es war ein grausiger Anblick. Die eingedrückte Tür der Beifahrerseite berührte gerade Connys Oberschenkel, Glassplitter standen in der Luft rund um sein Gesicht, seine Augen waren in ungläubigem Staunen erstarrt. Der Fahrer des Volvo war anscheinend nicht angeschnallt. Er hing mit eingedrücktem Brustkorb über dem Lenkrad.  Mir war nicht klar, ob mein Vorhaben nun funktionieren würde. Nach den bisher erfahrenen Lektionen im zeitlosen Raum dürfte es nicht funktionieren, aber es war unsere einzige Chance. Ich drückte meine Tür auf, zerrte Conny über die Sitze aus dem Auto und auf die andere Straßenseite, immer bedacht, Tränen zu produzieren und keine wegzuwischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich mich in die Fermate begebe, ich nenne diesen Zustand die Fermate, wissen Sie, was eine Fermate ist? Das ist in der Musik ein &lt;a href=&quot;http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/e/e6/Fermate.png&quot;&gt;Ruhezeichen&lt;/a&gt;, nicht eine Pause, sondern das Aushalten, das Innehalten einer Note oder auch einer Pause. Der Moment wird angehalten, darum nenne ich diese Erfahrungen die Fermate. Meist beginnt die Fermate abrupt und klingt dann langsam aus. Ich wusste die erste Zeit nicht, was ich damit anfangen sollte. Die Spanne war auch immer recht kurz, gerade so lang, wie eine Träne über die Wange kullert. Dann lernte ich, die Träne zu erhalten. Dazu ließ ich mir den Daumennagel lang wachsen. So konnte ich mit der Unterseite des Nagels vorsichtig die Träne von meiner Wange schöpfen. Aber auch damit blieb ich noch ziemlich immobil. Was kann man schon unternehmen, während man eine Träne im Daumennagel balanciert? Der entscheidende Trick lag darin, zu lernen, kontinuierlich und willentlich neue Tränen zu produzieren. Ich sag Ihnen, das ist garnicht so einfach. Nun konnte ich so lange ich wollte durch eine erstarrte Welt spazieren, konnte mir Gesichter von Nahem ansehen, Geheimnisse auskundschaften, in fremden Schubladen in fremden Schlafzimmern stöbern. Ich konnte auch Dinge verändern, Menschen an einen anderen Platz stellen, den Männern die Hosen runterlassen oder den Frauen die Röcke hochheben. Doch sobald die Fermate ausklingt, wenn ich sie ausklingen lasse, dann gleitet alles wieder an seinen vorherigen Platz zurück. Das Leben geht weiter, als wäre nichts gewesen. Es ist ja auch nichts gewesen, nichts ist passiert, ausser dass ich durch einen Augenblick spazieren kann, wie durch ein dreidimensionales Foto. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise wären wir. Conny und ich, nach der Fermate wieder in mein Auto gerutscht und hätten den Unfall erlitten. Wir wären dann womöglich beide tot, Conny auf jeden Fall, denn der Volvo raste direkt in ihn hinein. Mir musste also was einfallen, um die Situation zu verändern. Wie Sie sehen ist mir was eingefallen, sonst säße ich nicht hier. Um Ihnen das verständlich zu machen, muss ich Ihnen allerdings noch etwas mehr über meine Erfahrungen mit der Fermate erklären. Stellen Sie ruhig Fragen wenn Ihnen etwas nicht klar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hab nichts davon, in anderer Leute Schubladen zu kramen. Das wurde mir schnell klar. Auch Frauen unter den Rock zu schauen oder in intime Situationen einzudringen schien mir nur eine Vergeudung dieser faszinierenden Fähigkeit. In der Fermate ist es absolut still, nichts bewegt sich. Auch keine Luft, auch keine Schallwellen. Ich konnte durch Wasser waten oder gar schwimmen, ohne dabei Wellen zu erzeugen. Ich wurde auch so etwas wie nass, aber doch nicht richtig. Einmal lief ich durch einen Regen. Die Tropfen blieben an mir haften, sodass ein Tunnel meiner Körperform entstand. Es gibt einige sehr paradoxe Erscheinungen. Ich konnte wie gesagt Dinge bewegen. So konnte ich auch eine Klaviertaste anschlagen. Und die Mechanik setzte sich auch fort, der Hammer schlug auf die Seite, aber die Seite begann nicht zu schwingen. Ich probierte es einige Male aus, mit verschiedenen Instrumenten, aber nichts geschah. Doch! Aber ich bemerkte es erst später. Wenn die Fermate ausklingt, rutscht alles wieder in seine Ausgangsposition, auch ich. Was mich schon mal mit rasantem Tempo über sechshundert Meter transportierte, als ich mir die aktive Träne aus Versehen  wegwischte. Hochinteressante Erfahrung. Wenn sich alles wieder bewegt, sind auch sofort wieder alle Geräusche da. So merkte ich nicht, dass die Musikinstrumente jetzt ihre Töne von sich gaben, die ich Minuten vorher in der Fermate produziert hatte. Letztlich habe ich aus einer Umkehrung dieses Phänomens meine Methode der Musikzerlegung entwickelt. Das jetzt auch noch zu erklären, dazu haben wir nicht genug Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Conny lag auf dem Boden, er war leblos wie die ganze übrige Welt um uns herum. Ich klammerte mich an ihn, kroch förmlich mit in seinen Mantel hinein und ließ dann ganz vorsichtig meine Träne auf seine Wange tropfen. Es kam, wie ich es mir gedacht hatte. Einerseits gab es einen starken, fast unwiderstehlichen Sog, der mich in mein sich gerade zum Totalschaden wandelndes Auto zerren wollte, während andererseits - und das fand ich ungeheuer faszinierend, denn so etwas hatte ich ja noch nie erlebt - Conny springlebendig in eine andere, neue Fermate überwechselte, oder in der alten blieb, wie soll man das wissen, mich halbwegs mitzog, wobei mir für wasweißichwielange schwarz vor Augen wurde. Dann riss alles auseinander, ich glaubte schon, nun sei es doch zu spät, produzierte eine neue Träne und fand mich auf der Straße sitzend, während um mich herum wieder alles totenstill war. Es hatte tatsächlich funktioniert. Die beiden Fahrzeuge waren vollkommen &lt;a href=&quot;http://wahooart.com/A55A04/w.nsf/Opra/BRUE-5ZKBPS&quot;&gt;ineinander verkeilt&lt;/a&gt;. Der Fahrer des Volvo musste tot sein. Tot ist man von vorne wie von hinten gleich. Entschuldigen Sie, das fiel mir nur gerade so ein. Ich war mir nicht sicher, aber er hatte starke Ähnlichkeit mit dem Schönling, der mir die Nase plattgeschlagen hatte.&lt;br /&gt;
Was würde gleich mit mir passieren, wenn ich die Träne wegwischte. Würde ich doch in das Fahrzeug gesogen? Aber das wäre ein Zeitparadox, denn dann müsste ich jetzt, dem Zustand der Unfallszene entsprechend, schon schwer verletzt oder sogar auch tot sein. Ich war mir sicher, ich hatte überlebt. Wie Sie sehen, hatte ich recht. Dennoch musste ich allen Mut zusammennehmen, um mir die sowieso langsam trocknende Träne von der Wange zu reiben. Die beiden Wagen rutschten leicht kreiselnd direkt auf mich zu. Es war reiner Reflex, kein Denken, kein Abwägen. Mit drei kompletten Umdrehungen rollte ich aus der Kollisionsbahn, fast unter einen aus der anderen Richtung kommenden Audi. Dann war alles vorbei. &lt;br /&gt;
Als nächstes fand ich mich krampfend und heulend am Straßenrand kniend wieder, ein Mann hielt mich an der Schulter, wie blöd ständig wiederholend:&quot;Was haben Sie denn gemacht? Was haben Sie denn gemacht?&quot; Irgendwann antwortete ich:&quot;Einen Unfall.&quot; genauso blöd. Da war er zufrieden.&lt;br /&gt;
Wo war Conny?&lt;br /&gt;
Ich hab mich dann aufgerappelt und bin einfach in eine Richtung gelaufen. Ich stand unter Schock und ich wollte Conny finden. Der musste doch auch in der Nähe sein. Ich lief einfach immer weiter geradeaus. Wirklich, es war keine Fahrerflucht. Als mein Verstand wieder einsetzte, bin ich gleich hierher gekommen. Hab mir ein Taxi angehalten und Polizei gesagt. Erst hat der Depp gedacht, ich wär Polizist und wollte seinen Wagen beschlagnahmen. &quot;Ich Lizenz, ich legal.&quot; &lt;br /&gt;
&quot;Ich egal, fahren! Los, Polizei!&quot;&lt;br /&gt;
Dann hat er&apos;s begriffen und jetzt bin ich hier. Bitte! wir müssen Conny finden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span style=&quot;font-style:italic;&quot;&gt;tonbandprotokoll vom 24. Mai 2006, eingeschaltet 9:08 uhr, abgeschaltet 10:18 uhr.&lt;br /&gt;
niederschrift vom 18. juni des selben jahres&lt;/span&gt;</description>
    <dc:creator>hagbarth</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://imachine.twoday.net/topics/Das+Firmament&quot;&gt;Das Firmament&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 hagbarth</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-14T22:38:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://imachine.twoday.net/stories/4621772/">
    <title>Die Fragen</title>
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    <description>Das erklär mir bitte noch mal in normalem Deutsch. Das versteht doch keiner, was du da sagst. Die Welt fällt in den Zustand des Formlosen. Wie war das  - Wutschi? Futschi?&lt;br /&gt;
Genau das ist schon so eine Situation, zu der unsere Sprache, unser normales Deutsch nichts taugt. Warum? Weil unser Konzept von der Welt und unsere Sprache eine Einheit sind. Wir reden, wie wir denken und wir denken, wie wir reden. Du denkst dir die Welt in der dir bekannten Sprache, mit der dir geläufigen Grammatik. Wenn wir beide darin sehr, sehr gut wären, dann könnten wir vielleicht versuchen, es mathematisch auszudrücken, doch ich bin mir auch da nicht sicher.  &lt;br /&gt;
Für dich hat die Welt irgendeinmal angefangen, mit einem Big Bang oder mit einem Gotteswort, das ist egal. Es gab einmal diesen Anfang von Raum und Zeit. Es gab davor nichts, zumindest nichts, für das du einen Gedanken, eine Vorstellung, geschweige denn ein Wort entwickeln könntest. Es hat einmal angefangen, es wird einmal zu Ende sein. Zwischen dem Anfangspunkt und dem Endpunkt gibt es eine Zeitstrecke, eine Linie, keine breite Bahn, keine Fläche oder gar einen Raum, es gibt eine dünne, gedachte Linie. &lt;a href=&quot;http://flomiscuous.com/2007/11/03/time-machine-dateienordner-aus-der-zeitlinie-loeschen/&quot;&gt;Auf dieser Linie&lt;/a&gt; reihen sich unendlich viele Augenblicke aneinander, jeder ist eine Gegenwart beziehungsweise war eine oder wird einmal eine sein. Jeder Augenblick ist gefüllt von unendlich viel Raum, das gesamte Universum befindet sich immer an genau diesem Punkt der Gegenwart. Wir sehen das etwas anders, aber wie soll ich dir das erklären. Ah, das wirst du verstehen: denk dir die Welt wie einen Ton, einen einzigen Ton, der irgendwo in den Weiten des Universums schon existiert, aber noch nicht in den hörbaren Bereich gedrungen ist. Ach, ich seh schon an deinem Gesicht, das wird auch so nichts.&lt;br /&gt;
Dann erlebte ich Conny zum ersten Mal einen Hauch von unbeherrscht, als er sagte: Glaubs mir einfach. Wir müssen was tun, nichts erklären. Ich kann dich auch nicht fragen, ob du dabei bist oder lieber nicht. &lt;span style=&quot;font-weight:bold;&quot;&gt;DU bist&lt;/span&gt; dabei!&lt;br /&gt;
Als nächstes erlebte ich eine ungeheuer professionelle Verhörtechnik. Da war nichts boshaftes bei, das dürfen Sie nicht denken. Die Fragen kamen systematisch, waren, klar, einfach, verständlich. Ich hatte nie das Gefühl, auf&apos;s Glatteis geführt zu werden. Er war mir immer behilflich, meine Gedanken zu ordnen. Jede Antwort wurde um des richtigen Verstehens willen wiederholt. &quot;Habe ich das so richtig verstanden?&quot;  Widersprüche wurden aufgezeigt, nebeneinander gestellt, überprüft, geradegerückt und gelöst. Dieses geschmeidige Gleiten durch meine Hirnwindungen hätte eine Freude, ein Genuss sein können, wäre es nicht so anstrengend gewesen. Das Schlimmste: Es kam nichts dabei raus. Zumindest nichts, was Conny zufrieden gestellt hätte. Er machte sich einige Notizen. &quot;Das müssen wir mal vor Ort recherchieren.&quot; oder ähnlichs murmelte er dabei. Es war schon sehr fortgeschrittene Nacht, als er endlich aufgab. &quot;Morgen machen wir weiter.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machten weiter. Erst aber gab es Frühstück. Als ich aufstand und zur Toilette ging, klapperte Conny schon in der Küche. Ich weiß nicht, wo er diese Sachen her hatte, auf keinem Fall aus meinem Kühlschrank. Nachdem ich geduscht hatte, bekam ich eine &lt;a href=&quot;http://www.embjapan.de/forum/was-essen-japaner-zum-fruehstueck--t574.html&quot;&gt;Miso-Suppe, Reis, sauer eingelegtes Gemüse und gebratenen Fisch&lt;/a&gt;. Das hat absolut nichts mit meinem normalen Frühstück gemein (Tasse Kaffee, Scheibe Toast mit Käse, Tasse Kaffe, Tasse Kaffee) ich war auch davon überzeugt, nach einem kleinen Höflichkeitshappen beiläufig Kaffeemaschine und Toaster anzuwerfen. Statt dessen genoss ich die meinem Körper fremden Stoffe, fühlte mich frisch und wach, aber nicht gestopft. Leicht. Wie der Tee, den es hinterher gab. sehr dünn, fast nur heisses Wasser, aber mit deutlichem Gemüsegeschmack. Nicht schlecht, sollten Sie mal versuchen. &lt;br /&gt;
Conny konzentrierte sich mit seinen Fragen nun ganz auf die vergangene Beziehung. &lt;br /&gt;
&quot;Habt ihr gemeinsam gefrühstückt?&quot; Wer hat den Tisch abgeräumt, was habt ihr mit dem Abfall gemacht, hattet ihr ein Haustier, wenn ihr gemeinsam das Haus verlassen (betreten) habt, wer ist vorgegangen, wer hat aufgeschlossen, wer hat mehr telefoniert, mit wem hat sie lange telefoniert, kennst du diese Freundin, auf welcher Seite hast du im Bett gelegen?&quot;&lt;br /&gt;
In diesem Stil, nur viel logischer, fortschreitend, eine Sache voll und ganz einkreisend, in ihr Zentrum vorstoßen, erledigt. Es erinnerte mich an eine dieser sanften asiatischen Kampftechniken, ich hatte so etwas mal gesehen, bei der man &lt;a href=&quot;http://www.idesktop.tv/?watch=pxJ7DX6FyqI&quot;&gt;um den Gegner herumläuft&lt;/a&gt;, ihn einwickelt, hab den Namen vergessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Null. Wir entschieden, zu meinem Laden zu fahren, den Umfang der Zerstörungen festzustellen, ob etwas fehlte, etc.&lt;br /&gt;
Ich fuhr, Conny meditierte, zumindest hielt ich es für Meditieren, und flimmerte. Nur aus den Augenwinkeln nahm ich es wahr. Wenn ich hinsah - Ruhe. &lt;br /&gt;
In der Umgebung des Ladens bemerkten wir keine verdächtigen Bewegungen. Alles schien in Ordnung. Wenn man mal davon absah, das wir uns in einem sogenannten sozialen Brennpunkt befanden, war auch nichts vom nahenden Ende der Welt zu bemerken. Langsam fiel ich wieder vom Glauben ab. Ich schloss auf, trat ein, es stank. Die Ursache hatten wir schnell ausgemacht. In meinem Computer, der etwas schräg auf dem Boden lag, waren einige Kabel und Steckkarten waren ineinandergeschmort. Die Festplatte fehlte. &lt;br /&gt;
Das gefiel Conny. Damit tat sich eine Richtung auf. Ich wollte einwenden, dass es eine bewusst falsch gelegte Spur sein könnte, so wie die ganze Verwüstung überflüssige Show war, nur damit ich niemandem glaubhaft machen könnte, ich wüsste nicht, was man bei mir gesucht hatte. &lt;br /&gt;
&quot;Neinnein. Die suchen was und sie vermuten es auf deiner Festplatte. Das ist gut. Siehst du? Die Bösen können auch &lt;a href=&quot;http://missunderstood.twoday.net/stories/4534786/&quot;&gt;gut sein&lt;/a&gt;. Auch wenn sie es nicht wollen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Oh, das ist wunderbar,&quot; schwärmte Conny,&quot;endlich kommen wir der Sache zumindest ein kleines Stück näher.&quot;&lt;br /&gt;
Er war nun der festen Meinung, alles habe mit meiner Arbeit zu tun. Wir ließen den Laden so wie er war und fuhren in die Altstadt, um in Ruhe in einem Cafe die Lage zu besprechen. Natürlich ist die Altstadt eine ununterbrochene Halteverbotszone. Ich versuchte den Parkplatz am Graben, aber alles schien voll. Conny wies auf eine Lücke. &quot;Das ist kein Parkplatz. Da kann ich froh sein, wenn ich nur ein Ticket bekomme und nicht auch noch abgeschleppt werde.&quot;&lt;br /&gt;
Cony bestand regelrecht darauf, ich solle mein Auto dort hinstellen. &quot;Das ist unser Platz. Na los, mach schon.&quot;&lt;br /&gt;
Ich bin nicht der Mensch, der wegen sowas anfängt zu streiten, schon recht nicht mit einem alten Freund, der nach zwanzig Jahren plötzlich auftaucht,  wo mir einer das Büro zusammenhaut, nachdem er mir ein paar gezielte Schläge verpasst hatte. Zur Not zahle ich auch ein Ticket, nur dem dicken Schreiber, dem Abschleppunternehmer, würde ich ungern das Vermögen vergrößern. Ich rangierte den Wagen in die Lücke.&lt;br /&gt;
Mein Zeigefinger lag schon wieder auf der Lauer, diesmal, um meinen Vorschlag zur Lokalität zu verdeutlichen, da zog mich Conny, der doch seit zwanzig Jahren in einem japanischen Kloster meditierte, zielbewusst am Arm um die nächste Ecke und um noch eine und dann standen wir vor einem kleinen, völlig durchschnittlichen Cafe, welches ich in all den Jahren noch nie gesehen hatte, von dem ich noch nie jemanden hatte reden hören, welches mir, mit einfachen Worten, völlig fremd war.&lt;br /&gt;
&quot;Muss neu sein, kenn ich garnicht.&quot;&lt;br /&gt;
Nur sah es innen überhaupt nicht neu aus. Oder man hatte einen sehr raffinierten Einrichter beauftragt. Die Wände waren in einem angestaubten Nikotingelb gestrichen. Daran hingen, ebenfalls verräuchert und verstaubt, Bilder von gerade mal so prominenten Film- und Fernsehschaffenden der sechziger und frühen siebziger Jahre, die meisten mit Signatur. Stühle und Tische - es gab zwei große für 4 Personen und 6 kleine für zwei,  mussten aus einem ostbelgischen Gebrauchtmöbellager stammen. Die Tische hatten klebrige Marmorplatten, die Stühle waren aus Bugholz, Wiener Cafehaus, In die bauchige Theke aus gekehlten, längs laufenden Leisten, war etwas außerhalb der Mitte eine Scheibe eingelassen, die in ihrer Form dem Schwung der Leisten folgte. Dahinter lag etwas selbstgebackener  Kuchen, aber auch Käse und Wurst war zu sehen. Aus einem wahrhaft alten Radio, einem Röhrengerät mit grüner Frequenzanzeige, Wahltasten  unter der Senderscala, &lt;a href=&quot;http://www.radiomuseum.org/picture.cfm?pic=zz_img/mus1255_D_Saba_fg.jpg&quot;&gt;ein wunderschönes Gerät&lt;/a&gt;, Saba, mit hellem Nussbaumgehäuse, sehr gepflegter Zustand, hörten wir Oldies. Al Bano &amp; Romina Power, Marianne Rosenberg, Nina Simone, diese Art Oldies, etwas ungenau eingestellt. In das gelegentliche Rauschen mischten sich hin und wieder undeutliche Stimmen eines anderen Senders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kind hatte ich oft Stunden vor dem Radio verbracht, welches im Wohnzimmer stand, im guten Zimmer, das normal nicht benutzt wurde. Dann drehte ich an den Knöpfen, suchte auf den verschiedenen Kanälen merkwürdige Informationen. Musik oder Hörspiele interessierten mich nicht. Piepen und Pfeifen, Rauschen und Knattern, überlagerungen von zwei drei Sendern oder die geheimnisvollen, endlosen Durchsagen von Zahlen. Spionagecodes.&lt;br /&gt;
Drei, sieben, neuen. Eins, zehn, zwoundzwanzig, zwölf, fünfzehn, drei. Und weiter und weiter, ohne dass ich einen Sinn erkennen konnte. Auch Wasserstandsmeldungen für die Schifffahrt. &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=_wCJ9WmX9Zw&amp;feature=related&quot;&gt;Revolution # 9&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Wir müssen jetzt herausfinden, was deine Arbeit so gefährlich macht.&quot; Ich zuckte hoch. Conny hatte wieder die &quot;Frager&quot; Haltung angenommen. Eigentlich nur etwas aufgerichteter als sonst, aber ungeheuer, fast beängstigend wach.&lt;br /&gt;
&quot;Machst du eigentlich auch solche Kampftechniken, Ninja oder so?&quot; &lt;br /&gt;
Conny lächelte:&quot;Im Aikido und im Kendo trage ich jeweils den 6. Dan. Im Iaido bin ich Anfänger. Noch lange kein &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Zatoichi&quot;&gt;Zatoichi&lt;/a&gt;, obwohl ich mir  vorkomme, als würde ich wie ein Blinder im Nebel rumstochern. &lt;br /&gt;
Also, was machst du?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Naja, ich zerlege Musikstücke. So wie ein Metzger das Rind zerlegt. Dann gibts bei mir sozusagen die Filets und die Steaks, die Knochen, die Zunge, die Rippen... was ein Stück Musik so hergibt.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Mal langsam. Du weißt, von Musik versteh ich so ziemlich garnichts. Sonst hätte ich nicht den Noten-Verlag an dich abgetreten. So war ja auch alles in Ordnung. Ich denke, wir sind beide gut damit gefahren. Bis jetzt. Aber soviel weiß ich doch: Ein Rind ist ein Stück Materie, das kannst du zerlegen. Aber Musik?&quot;&lt;br /&gt;
Ich wusste, Conny gegenüber würde ich bald alles sagen müssen, die ganze Gechichte, die volle Wahrheit, so unglaublich sie auch war. Aber noch versuchte ich es mit den einstudierten Phrasen. Ich hatte mein Muster, das bei anderen Menschen funktionierte. Bei Conny würde ich versagen. ich wusste es, aber ich konnte nur so vorgehen. &lt;br /&gt;
&quot;Das denkt man so, nicht wahr.&quot;Man meint, Musik kann immer und immer wieder von neuem erklingen. Aber das ist schon der erste Irrtum. Es ist immer wieder neu. Einmal gespielt ist wie einmal gelebt, verklungen ist wie gestorben. Wenn ein Stück wieder neu erklingt, so ist es wie eine Wiedergeburt. Damit solltest du dich auskennen.&quot;&lt;br /&gt;
Aufrecht saß er da, der Herr Kommisar, lächelte, wie immer, vermittelte mir das Gefühl, umzingelt zu sein. Scheiß 6. Dan. Mir war das unangenehm.  Ohne wirklich auf mich einzugehen, ohne sich zu rühren, nicht die kleinste Bewegung, machte er auf mich den Eindruck zu nicken, wie: Ja, mach weiter. &lt;br /&gt;
&quot;Also, auch mit der aufgezeichneten Musik ist es nicht anders. Nur sind es nicht die Musiker oder genauer die Musikinstrumente, die wir wieder hören, sondern eine CD, einen Verstärker, zwei oder mehr Boxen. Aber es ist immer wieder neu. Wiedergeburt.&quot; Ich watete schon bis zu den Knöcheln in Schlick oder Sumpf oder Treibsand. Meine Zunge wollte hinter den Zähnen versteckt bleiben, Die Lippen formten noch tonlos ein paar Worte, das Hirn produzierte immer nur:&quot;Raus, Geh hier raus. Geh doch. Geh...&quot;&lt;br /&gt;
Die zweimal 6. Dan hatten mich umzingelt. Freundlich standen sie da, wovor sich fürchten. &lt;span style=&quot;font-style:italic;&quot;&gt;&lt;blockquote&gt;Wenn der Schüler das Hun Yuan Qi -die ganzheitlich elementare Energie - erlangt hat, was sollte er sich da noch davor fürchten, dass ein Gegner über umfassende Fertigkeiten verfügt.&lt;/blockquote&gt; &lt;/span&gt;Was einem alles so durch den Kopf gehen kann, das Hun Yuan Qi, noch nie von gehört.  Es gab noch einen Weg, Ich könnte hier raus, sehr riskant aber möglich. Mir möglich. Aber Conny gehört zu den Guten, sagte ich mir. Ich würde ihm seine Fragen beantworten. Früher oder später. Also warum nicht früher, warum nicht jetzt.&lt;br /&gt;
&quot;So funktioniert Wiedergeburt nicht.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span style=&quot;font-style:italic;&quot;&gt;tonbandprotokoll vom 23. Mai 2006, eingeschaltet 16:00 uhr, abgeschaltet 16:58 uhr.&lt;br /&gt;
niederschrift vom 18. juni des selben jahres&lt;/span&gt;</description>
    <dc:creator>hagbarth</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://imachine.twoday.net/topics/Das+Firmament&quot;&gt;Das Firmament&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 hagbarth</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-13T22:38:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://imachine.twoday.net/stories/4621766/">
    <title>Das Flimmern</title>
    <link>http://imachine.twoday.net/stories/4621766/</link>
    <description>Mir reichte es. Etwas lief hier sehr merkwürdig ab. Einer kommt und verpasst mir ein paar gezielte Schläge. Der gleiche verschandelt mein Büro, das Ausmaß ist noch nicht geklärt. Einer taucht nach zwanzig Jahren genau in dem Moment auf und flimmert. Und wir hocken zusammen und machen Smalltalk. Etwas lief hier sehr merkwürdig ab und mir reichte es. Ich werd jetzt nicht mehr länger Smalltalk machen mit einem, der nach zwanzig Jahren genau in dem Moment auftaucht, wo mir einer das Büro zusammenhaut, nachdem er mir ein paar gezielte Schläge verpasst hatte. Hier lief etwas sehr mwerkwürdig ab und es reichte mir. Wenn einer mit mir Smalltalk macht, der nach zwanzig Jahren genau in dem Moment auftaucht, wo mir einer nach ein paar gezielten Schlägen das Büro zusammengetreten hat. Das Ausmaß ist noch nicht geklärt, aber es flimmert.&lt;br /&gt;
&quot;Ich will hier raus!!!!!!!&quot; &lt;br /&gt;
&quot;Was?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;&lt;a href=&quot;http://allesdrehtsichimkreis.blog.de/&quot;&gt;Alles dreht sich im Kreis&lt;/a&gt;, es dreht sich und dreht sich und dreht sich....Was willst du hier?&quot; &lt;br /&gt;
&quot;Soll ich dich doch lieber in eine Klinik fahren?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Wenn das so weiter geht, bin ich bald reif für die Psychatrie. Sag mir bitte endlich, was hier los ist.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Was hier los ist? Wir stecken mitten im Leben. &lt;a href=&quot;http://www.contentschmiede.de/archiv/2006/11/20/geheime_codes_im_wirklichen_leben/&quot;&gt;Im wirklichen Leben&lt;/a&gt;. Wenn du dich etwas beruhigst, dann erzähl ich dir alles, was ich weiß und was ich dir erzählen kann. Bitte hab Verständnis, dass es Sachen gibt, über die ich nicht reden kann. Ich meine wirklich und wahrhaftig:&apos;Nicht kann.&apos; Nicht, dass ich es nicht erzählen wollte oder dürfte. Es geht teilweise um Phänomene, für die unsere Sprache nicht gemacht ist.&quot;&lt;br /&gt;
Langsam wurde es ruhiger. Die Wände wurden stabil und hörten auf, sich zu verbiegen, der Fußboden bekam seine ebene Fläche zurück, das Bestiarium zog sich zurück in die Ritzen und Spalten, aus denen es gekrochen war. Die Zeiger der Wanduhr drehten sich nicht mehr rasend gegeneinander. Die Welt wurde wieder zur Welt, so wie ich sie kannte, zu der Welt, in der ich gewohnt bin, zu leben. &lt;br /&gt;
Ich goss mir Wasser  in mein Glas, ging dann aber erst mal zur Toilette, pinkelte und schüttete mir mehrere handvoll kaltes Wasser ins Gesicht. Dann spürte ich Kälte am ganzen Körper, kein Wunder, ich war klatschnass geschwitzt. Ich zog mich aus, stellte mich unter die Dusche, ließ wechselnd heißes und kaltes Wasser über mich laufen, bis es mir deutlich besser ging. Dann holte ich mir frische Kleidung, eine Jogging Hose und einen weiten Pulli und ging zurück ins Wohnzimmer. Conny saß auf dem Sofa, mit leicht geschlossenen Augen, kerzengerade, flimmerfrei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darf man sich räuspern in Gegenwart einer meditierenden Person, um auf sich aufmerksam zu machen? Muss ich mich jetzt möglichst still hinsetzen und schweigend warten, bis Conny aus seiner Versenkung steigt? Ich hab keine Ahnung vom meditieren und weiß beim besten Willen nicht, wie ich mich zu verhalten habe. Gibts da schon einen Knigge? Conny öffnet langsam die Augen und schaut mich direkt und hellwach an:&quot;Meditation ist keine Weltflucht, es ist hier und jetzt. Entschuldige, wenn ich dich in Verlegenheit gebracht habe.&quot; Ich glaube, mich soweit im Griff zu haben, nicht blöd baff das Maul offen hängen zu lassen und vor mich hinzustarren, wenn jemand anscheinend meine Gedanken lesen oder hören kann. &lt;br /&gt;
Doch mit einmal bekam ich die fürchterliche Angst, einem hochkarätigem Schwindel aufzusitzen, einem Betrug, von dessen Absicht ich noch keine Ahnung hatte. Ein abgekartetes Spiel, in dem ich womöglich auch nur ein Mittel zum Zweck wäre. Wurde ich hier gerade auf sehr elegante Weise aufs Kreuz gelegt? &lt;br /&gt;
Bis zu diesem Moment hatte ich die Redewendunbg &quot;aufs Kreuz legen&quot; immer auf den Rücken bezogen, jetzt begriff ich es christlich; als sollte ich gekreuzigt werden. Ein Opfer, wofür? &lt;br /&gt;
&quot;Wie wird man eigentlich in eurer Kirche -kann man dazu Kirche sagen? - oder Orden, wie wird man da zum Abt?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Orden wäre besser als Kirche, obwohl wir uns selbst eher eine Schule nennen. Es hat etwas mit &lt;a href=&quot;http://dao-blog.blogspot.com/2007/01/danke-13_02.html&quot;&gt;Jacken&lt;/a&gt; zu tun. Das ist alte Tradition. Der Zen-Buddhismus kommt ursprünglich aus China, dort heißt er Chan. Auf Chinesisch heißt Jacke witziger weise  &apos;Jiake&apos;, aber das ist nur ein Zufall. Die beiden Schriftzeichen, aus denen sich das Wort zusammensetzt,  &apos;Jia&apos; und &apos;Ke&apos; bedeuten auch &apos;Der Erste, der sich selbst überwindet&apos;. Oft gab in der Geschichte ein Meister, wenn er alt wurde und sich zurück zog, seine Jacke an einen Schüler weiter. Damit war der Fall dann klar. Wenn aber der Meister verstirbt, ehe er seine Jacke weitergeben konnte, müssen die Schüler selbst einen aus ihrern Reihen erwählen. Mein Meister hatte mir schon in meinem dritten Jahr im Kloster eine Weste geschenkt. Damals wusste ich noch nichts über die Bedeutung. Es war eine Jacke ohne Ärmel. Ich war auserwählt, hatte aber noch keine Handlungsfähigkeit. Nach seinem Tod haben die Schüler beraten, ohne dass ich davon etwas bemerkte, dann gab mir einer die &lt;a href=&quot;http://dao-blog.blogspot.com/2007/02/extradank-17.html&quot;&gt;gelbe Jacke&lt;/a&gt; des Abts. &lt;br /&gt;
Ich glaube nicht, dass dich diese Geschichte beruhigt und mich legitimiert. Es gibt kein Dokument, welches du überprüfen könntest. Du musst mir glauben.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Alles klar, tut mir leid, aber jetzt bitte, sag mir endlich was du weißt oder transferier es mir direkt telepathisch ins Hirn. Aber los jetzt, ich hab lange genug gewartet.&quot;&lt;br /&gt;
Gut ich sag es dir, denn telepatisch funktioniert das nicht in diese Richtung. dazu hast du nicht die Qualifikation. &lt;br /&gt;
Ich weiß auch nicht sehr viel, aber irgendetwas bringt das Gleichgewicht der Kräfte durcheinander, die Balance von Yin und Yang. Ihr spürt das auch schon an Hand des Klimawandels, aber ihr habt keine Ahnung, womit es zusammenhängt. Jedenfalls nicht mit CO2. Schon eher mit dir. Ziemlich sicher mit dir, aber wieso und was genau los ist, was du machst, damit es kippt, keine Ahnung. Um das rauszufinden bin ich hier.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ich muss wissen, was du tust. Alles. Du machst das nicht absichtlich, soviel ist mir klar, aber es ist gefährlich. Du glaubst garnicht, wie gefährlich.&quot;&lt;br /&gt;
Mein Gesichtsausdruck war mit Sicherheit sehr, sehr ungläubig. &quot;Ich mach etwas gefährliches, hab ich das richtig verstanden? Ich geh nicht mal bei rot über die Straße, wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Woran du gut tust.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Was verstehst du unter gefährlich? Gefährlich für wen oder was. Du hast den Klimawandel erwähnt, Meinst du allen Ernstes, ich sei für den Klimawandel verantwortlich?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Oja, und für noch viel mehr. Es geht um das Universum. Um alles, was existiert. Es geht um das Ende der Welt, wenn uns nicht rechtzeitig was einfällt.&quot;&lt;br /&gt;
Conny hatte eine überzeugende Ernsthaftigkeit und gleichzeitige Gelassenheit, was mich davon abhielt, mit dem Zeigerfinger an die Stirn zu tippen. Aber der Zeigefinger lag auf der Lauer.&lt;br /&gt;
&quot;Es ist der&lt;a href=&quot;http://64.233.183.104/search?q=cache:b-lzIF_YcEgJ:www.uni-muenster.de/imperia/md/content/fachbereich_physik/didaktik_physik/publikationen/falter_chaosphysik.pdf+schmetterling+tornado&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;cd=10&quot;&gt; Schmetterlingseffekt&lt;/a&gt;. Irgendeine Kleinigkeit kann es sein, die von dir ausgeht und genau in die richtige, beziehungsweise falsche Strömung kommt und Auflösungstendenzen provoziert. Ob das deine Beschwerdebriefe und Mails sind, mit denen du von der Stadt-Verwaltung bis zum Bundeskanzleramt Beamte beschäftigst, ehrlich gesagt glaub ich es nicht, aber ich muss es prüfen. Beamte machen untereinander auch nichts anderes, sie beschäftigen sich gegenseitig mit lästigen Anfragen, Beschwerden, Klageandrohungen und was weiß ich. Doch es kann sein, dass du an einem entscheidenden Knopf drehst. &lt;br /&gt;
Vielleicht hat es auch was mit deiner beendeten Beziehung zu tun, mit deinem Business, ich weiß es nicht, aber ich finde es raus. Hoffentlich rechtzeitig.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Aber was passiert denn die ganze Zeit, was du oder ihr und auch noch die unbekannten Anderen beobachtet, was mir und anscheinend den meisten Mitmenschen entgeht. Es wird über den Klimawandel geredet. Es gibt ein Islamproblem. Es klickert und klackert an einigen Ecken des Planeten, aber das hat es immer getan. Damit ist das Universum doch nicht in Gefahr.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Conny war aufgestanden, hatte sich gestreckt und nun wanderte er mit seinem Glas in der Hand über meinen schilfgrünen Teppich. Ruhig, bedächtig, mir zuhörend, ohne ein Zeichen von Ungeduld oder Tatendrang. Wenn es wirklich so ernst war, wie er behauptete, dann würde er ein zuverlässiger Partner sein im Kampf gegen das Böse. Selbst wenn es von mir ausging.&lt;br /&gt;
&quot;Nein, nein. Nichts Böses, nur die Wirkung ist zersetzend. Du kennst das&lt;a href=&quot;http://dao-blog.blogspot.com/2007/10/wir-haben-mal-die-experten-gefragt.html&quot;&gt; Taijitu&lt;/a&gt; oder Yinyang Symbol. Der Kreis mit den beiden Tropfen. Wenn das die Beschreibung der Welt in ihrem harmonischen Gleichgewicht ist, dann beginnt gerade die geschwungene Trennungslinie zwischen Yin und Yang zu flimmern. Die Übergänge werden unscharf. Wenn wir den Prozess nicht aufhalten und wieder umkehren können, fällt die Welt in den Zustand des Wuji, des Formlosen.&quot;&lt;br /&gt;
Mein Zeigefinger war in den Zustand staunender Entspanntheit verfallen. Meine Kinnlade tat es ihm gleich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span style=&quot;font-style:italic;&quot;&gt;tonbandprotokoll vom 23. Mai 2006, eingeschaltet 14:22 uhr, abgeschaltet 15:15 uhr.&lt;br /&gt;
niederschrift vom 17. juni des selben jahres&lt;/span&gt;</description>
    <dc:creator>hagbarth</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://imachine.twoday.net/topics/Das+Firmament&quot;&gt;Das Firmament&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 hagbarth</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-12T22:36:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://imachine.twoday.net/stories/4621760/">
    <title>Der Freund</title>
    <link>http://imachine.twoday.net/stories/4621760/</link>
    <description>Irgendwie hatte ich mich hochgeschafft und irgendwie hatte ich den Stuhl wieder hingestellt und irgendwie hatte ich mich wieder gesetzt. Den rechten Ellenbogen hatte ich auf die Theke und das Kinn in die rechte Hand gestützt. Der linke Arm zeigte noch immer keine Reaktionen auf meinen Wunsch, ihn  gezielt zu bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gesagt gibt es bei mir nichts Wertvolles zu holen, das einzige von Wert in meinem Büro, der Rechner, war demoliert. Nur um mir einen Denkzettel zu verpassen, dazu war ich in der letzten Zeit wirklich niemandem zu nahe getreten. Zugegeben, ich bin nicht unbedingt umgänglich. Ich sprech aus, was mir nicht passt. Unsere kleine Stadt geht mir in ihrer Miefigkeit manchmal auf den Keks, das mögen die Ureinwohner nicht, weil unsere Art Humor stark divergiert.  Aber nichts von dem, was ich in den &lt;a href=&quot;http://goldgrube.blogspot.com/search/label/kleine%20stadt&quot;&gt;vergangenen Monaten&lt;/a&gt; verzapft hatte, würde einen solchen Autritt verständlich machen. Was hatte ich getan? Wem hatte ich geschadet, wen hatte ich derart verärgert? In meinem Geschäft war ich konkurenzlos. Wollte sich da jemand was von meinem Kuchen abschneiden? Meine Güte, da bräuchte mir einer nur die richtige Summe anbieten (ich bin nicht unverschämt, falls Sie jemanden kennen sollten)  und ich würd sofort was anderes zu tun wissen. &lt;br /&gt;
Mein linker Arm war unbrauchbar, meine Nase hing ähnlich locker im Gesicht, meine Eier waren auf einem schmerzlichen Weg zurück zur Normalgröße und mein Hirn war wirklich nur graue Masse. In solch einer Situation wünsch ich mir einen Autor, der Mitleid mit mir hat, mir einen Zettel in die Hand fallen lässt, auf dem steht, was das alles soll oder zumindest eine Telefonnummer...&lt;br /&gt;
Ein Autor, der nett ist und mich nicht auch noch in Unwissenheit hält.&lt;br /&gt;
&quot;DU PERVERSES SADISTISCHES ARSCHLOCH&quot;&lt;br /&gt;
Oder zumindest einen Freund vorbeischickt, einen von den Raumzeitagenten, der die Situation checkt, mir unter die Arme greift oder mich weckt und alles ist nur ein scheißblöder Traum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so wie es aussah, würde ich mit dem ganzen Durcheinander selber fertig werden müssen. Ich würde mich selber wieder zusammenflicken müssen, würde selber das Chaos im Büro beseitigen müssen, würde selber rausfinden müssen, was das alles soll und würde selber am Ende angeschissen sein. So würde es aussehen und so würde es ausgehen. Ich habe keine Freunde. Hab ich verpasst, dran zu denken. Hab ich keine gemacht, weil ich nicht weiß, wie man Freundschaften schließt, wie man sie pflegt und weil ich bis gerade eben nicht wusste, wozu sie gut sein sollen. Es gibt auch keine Raumzeitagenten, die im richtigen Augenblick auftauchen und eine Postkarte kaufen und damit den &lt;a href=&quot;http://www.scifi.de/scifi/data/media/_shared/media/Parallel%20Universum.mpg&quot;&gt;Lauf des Universums&lt;/a&gt; in eine andere Richtung lenken, einen Quinten Qist in die Welt setzen, einen Hitler verhindern oder ihn möglich machen,  &lt;br /&gt;
Es musste ein Irrtum sein, eine Verwechslung, die falsche Tür, ein ähnlicher Name. Irgendetwas in dieser Art. Das konnte nicht mir gelten, jemand anders war gemeint, es würde sich klären. Jetzt musste ich erst mal mich versorgen, wahrscheinlich würde es ohne Arzt nicht gehen. Fragen mussten beantwortet werden, ohne dass neue Fragen entstanden. Ich stemmte mich hoch und wankte zur Tür. Ich konnte sie öffnen und ich dachte daran, abzuschließen. Ich drehte mich um und da stand er vor mir. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unverkennbar, auch nach zwanzig Jahren, mit seinem rasierten Schädel. Lächelt mich an. Conny.&lt;br /&gt;
Raumzeitagent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Was machst du denn für Sachen?&quot; Sagt er und legt seine große Hand auf meine Schulter. &quot;ich wwwww.....&quot; dann zuckt eine Schulter (die rechte) dann zuckt es in der Brust, dann fängt der ganze Körper an zu beben und dann zu zittern und dann lehne ich mich an den mächtigen Kerl und heule los, mit Rotz und Wasser, mit allem was dazu gehört und endlich ist einer da, der mich nach Hause bringen kann, mich auf mein Sofa legt, mir das Blut aus dem Gesicht wäscht und mir eine heiße Suppe macht. &lt;br /&gt;
Nachdem das tatsächlich alles geschehen ist, kramt Conny ein kleines Döschen aus seiner Reisetasche, fiddelt drei lange, dünne Nadeln raus und piekt sie in mein rechtes Ohr. &quot;Die fallen in fünfzehn Minuten wieder von selber raus. Darfst du keinem von erzählen, in Deutschland muss ich dafür mindestens als Heilpraktiker zugelassen sein. Ich bin aber nur ein bescheidener Zenmönch, der ein wenig über Akupunktur gelernt hat. Ich lass dich jetzt auch für eine Weile allein. Es gibt hier tatsächlich eine Apotheke, in der ich die chinesischen Kräuter bekomme, die du für eine rasche Genesung brauchst. Nicht weglaufen, nicht an den Nadeln rumspielen. Wie gesagt, in fünfzehn Minuten.&quot;&lt;br /&gt;
Wie diese fünfzehn Minuten rumgegangen sind, ich weiß es nicht. Ich hab einfach nur da gesessen, ohne zu wissen, ob ich nun unglücklich oder glücklich sein soll oder kann, ohne darüber nachzudenken, was geschehen ist und was als nächstes zu geschehen hat. Ich habe nicht gelitten und ich habe nicht gestrahlt. Ich war einfach ruhig, vielleicht wollte ich die Nadeln nicht stören, bis sei einfach - klick,klick,klack - alle drei hintereinander mein Ohr wieder verließen. Es dauerte mindestens noch weitere fünfzehn Minuten, bis Conny wiederkam. Die Nadeln hielt ich in der Hand, ihm hin. &lt;br /&gt;
&quot;Und?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Was?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Den Arm, kannst du ihn bewegen?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Hab ich noch nicht ausprobiert.&quot;&lt;br /&gt;
Ja - dann - - - mach mal.&quot;&lt;br /&gt;
Ich machte und es ging. Arm hoch und runter, vor und zurück, hin und her. Alle Bewegungen, die man normalerweise mit seinem gesunden Arm nicht macht, probierte ich durch.&lt;br /&gt;
&quot;Geht wieder.&quot; Diesmal strahlte ich. &quot;Du bist genial.&quot; &lt;br /&gt;
&quot;Nicht ich, die Methode.&quot;&lt;br /&gt;
In der Zwischenzeit hatte er Wasser gekocht, welches er gerade über eine Handvoll Grünzeugs in einer meiner Suppentassen goss.&lt;br /&gt;
&quot;Muss jetzt zehn Minuten ziehen.&quot; Also wir hatten jetzt mal Zeit. Aber Conny hatte es nicht eilig, mich auszufragen oder mir den Grund seines Hierseins zu erklären. Wofür ich ihm dankbar war. Mit meinem Autor hatte ich mich innerlich auch wieder versöhnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen hatte ich eine anwendbare Handlungfähigkeit erreicht, die sich in einer Platte mit Schinken- und Käseschnittchen, einer geöffneten Flasche Merlot, zwei Gläsern und Charles Aznovour 2000 - gerade läuft Qu&apos;avons-nous fait de nos vingt ans - ausgelebt hatte. Weil wir es beide immer noch nicht nötig fanden, über die jüngste oder fernere Vergangenheit zu reden, blätterte ich mit Links die Post der letzten Tage durch. Eine Telefonrechnung (es ist immer eine Telefon- oder Stromrechnung dabei), ein Angebot für Ökowein im Abo, der sechste Versuch von Bose, mir eines ihr verführerisch schönen SoundDocks zu verkaufen und ein Brief unseres Dezernenten für Umwelt, Grün, Gesundheit, Tiefbau, Entwässerung, Entsorgung und Brandschutz. Er antwortete auf eine Erinnerungsmail an &lt;a href=&quot;http://goldgrube.blogspot.com/2007/10/bunte-bltter-globalisierung.html&quot;&gt;meine Anfrage&lt;/a&gt;, wieso die Stadt von Reisig- auf Bambusbesen umgestiegen sei. Er schrieb mir unter anderem, für den Entsorgungsbetrieb sei bei der Auswahl der Besen nicht in erster Linie von Interesse, wie teuer diese in der Anschaffung sind. Viel mehr seien Reinigungsqualität, Handhabung und Wirtschaftlichkeit, auch im Hinblick auf den Verschleiß und die Kehrleistung, von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://bp3.blogger.com/_E0dXdW2nnQo/RyhrHiXPwoI/AAAAAAAAAXA/ThouzrFzfvI/s1600-h/besen.jpg&quot;&gt;&lt;img style=&quot;float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;&quot; src=&quot;http://bp3.blogger.com/_E0dXdW2nnQo/RyhrHiXPwoI/AAAAAAAAAXA/ThouzrFzfvI/s200/besen.jpg&quot; border=&quot;0&quot; alt=&quot;&quot;id=&quot;BLOGGER_PHOTO_ID_5127465952988873346&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Die vom Entsorgungsbetrieb derzeit genutzten Bambusbesen wurden zuvor ausgiebig im laufenden Betrieb getestet. Bevor die Entscheidung fiel, wurden auch die Nutzer - also die Straßenreiniger - dazu befragt. Alle Beteiligten haben diesen Besen für gut befunden. Bezogen auf den Stückpreis sind diese zwar teuerer als das Vorgängermodell, jedoch am wirtschaftlichsten, weil sie stabiler sind und dadurch auch länger kehrfähig bleiben. Der Gesamtbedarf an Besen hat sich seither deutlich reduziert.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Na da war ich ja beruhigt. Auf der zweiten Seite des Schreibens wurde mir noch mitgeteilt, dass der Entsorgungsbetrieb mit der hieseigen Behindertenwerkstatt seit Jahren z.B. in der Betreuung der Geschirrmobile zusammenarbeitet. Na Klasse.  Es ging mir langsam besser.&lt;br /&gt;
Ich schob den Brief zur Seite und Conny sagte, auf den Brief deutend:&quot;Eigentlich bin ich wegen sowas hier.&quot; &lt;br /&gt;
&quot;Du willst doch nicht etwa Bambusbesen verkaufen? Geht&apos;s euch so schlecht im Kloster?&quot;&lt;br /&gt;
Er lächelte. Er lächelte eigentlich immer, auch wenn er mich ernst ansah, aber jetzt lächelte er.&lt;br /&gt;
&quot;Deine kleinen Schritte nach rechts oder links machen einige Leute nervös. Meist schlechte Menschen, du hast es heute erlebt. Aber auch uns, und wir gehören eindeutig zu den Guten, ist nicht ganz wohl bei dem, was du so treibst.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Was ich so treibe? Kleine Schritte nach rechts und links? Geht es vielleicht etwas deutlicher?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Erstens wissen wir auch nichts genaues und zweitens weiß ich nicht, noch nicht, wieviel ich dir von dem, was wir wissen, erzählen darf.&quot; biss in ein Käseschnittchen und ehe ich nachhaken konnte, wer denn &quot;wir&quot; sind, bot er an, morgen Sushi zu machen. &quot;Muss nur die richtigen Sachen dafür einkaufen. Ich bin berühmt für meine Sushi. Hab ich dir eigentlich erzählt, das ich seit zwei Jahren Abt in unserem Kloster bin?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Nein, du hast bisher noch garnichts erzählt, sowenig wie ich, der sich zuerst mal bei dir bedanken will. Dich hat der Himmel geschickt.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Nicht direkt der Himmel, aber du bist schon nah dran.&quot; Dabei lachte er, ja er kann auch richtig lachen, nicht nur fortwährend lächeln. Er lacht richtig herzhaft, nicht so&apos;n Gekicher wie beim&lt;a href=&quot;http://goldgrube.blogspot.com/2007/07/ddddddddddddlama.html&quot;&gt; Dalai Lama&lt;/a&gt;. Also hat das nichts mit der Religion oder dem Meditieren zu tun. Ich glaub, der Dalai Lama ist auch garnicht zuständig für die Japaner. Kenn mich da nicht so mit aus. Wer ist eigentlich bei denen der Papst? Vielleicht der Kaiser, der &lt;a &gt;Tenno&lt;/a&gt;? Soll doch von einem Göttergeschlecht oder so abstammen,&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Amaterasu&quot;&gt; Göttin der Morgenröte&lt;/a&gt;, aber ich schweife ab. Wollte doch erzählen, wie schön er, Conny, abschweifen, vom Thema ablenken kann. Wird mit einmal richtig redselig, plaudert von den Jahren im Kloster und der Meditiererei, dass sie Tee anbauen und jeden Tag sechs Stunden in den Gärten arbeiten, ja natürlich auch sechs Stunden meditieren, dann war er später mehr im Büro als bei den Teesträucher, klar spricht er fließend Japanisch und als vor zwei Jahren der Abt gestorben ist, wurde er zu dessen Nachfolger ernannt. Ah da hab ich nicht aufgepasst, von wem. Wahrscheinlich war das deren Oberhäuptling. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Mit dem Amt des Abtes hab ich auch dessen Brauch übernommen, Freitags eine Armenspeisung vorzunehmen. Ich wusste ja garnicht, dass ich so gute Sushi mache, ich hab da kein besonderes Rezept. Ich mache ganz einfache Sushi. Aber inzwischen bin ich in ganz Japan dafür berühmt. Freitags kommen keine Armen bei uns essen. Der Parkplatz steht voll mit Luxusschlitten. Freitags sind wir im wahrsten Sinne des Wortes ein Gourmettempel. Hahahahaha.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Stell dir das mal vor. Der erste deutsche Zen-Abt in Japan macht die besten Sushi. Die Leute schmeissen Geld in unsere Bettelschale, du kannst es dir nicht vorstellen. Bei uns gibt es weit und breit keine Armen mehr. Wir haben soziale Projekte angeschoben, Häuser, Schulen eine Klinik gebaut, und es wurde und wird von denen gebaut, die vorher keine Arbeit hatten. Das ganze lockt andere Investoren an. Jetzt will sich ein Chiphersteller ansiedeln. Hahahaha! Fish and Chips. Unfassbar, aber so läuft es, meine Sushi machen aus dem verschlafenen Fischerstädtchen eine Boomtown. Und wir haben es in der Hand, wir behalten die Kontrolle, damit es nicht zum Fraß der Geier wird. Oder wie sagt ihr? Heuschrecken, nicht wahr.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist wohl so, als bekämen wir hier einen schwarzen Kardinal, der den Besten &lt;a href=&quot;http://www.rezeptewiki.org/wiki/Zwiebelkuchen&quot;&gt;Zwiebelkuchen&lt;/a&gt; macht. Aber mit Zwiebelkuchen lockt man keine Feinschmecker. Das schließt sich gegenseitig aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er so vor sich hinplaudert, schau ich ihn mir  an. Langsam beruhigt sich mein Nervenkostüm und ich finde etwas mehr Kontakt zur Realität. Wie er so dasitzt, in einem schlichten braunen Baumwollanzug, eher sportlich robust als elegant, passend zu seiner kräftigen Statur, der geschorene Mönchsschädel, die großen, kräftigen Hände, das weiche, rundliche Gesicht, sieht er fast so aus wie vor zwanzig Jahren, als ich ihn das letzte Mal sah, am Frankfurter Flughafen, ab nach Japan. Je genauer ich ihn mir anschaue, desto weniger real kommt er mir vor, fast so, als würden seine Konturen ständig verschwimmen. Meine Nase sei nicht gebrochen, hatte er festgestellt, aber anscheinend hatte mein Hirn doch etwas mehr abbekommen, vielleicht von dem Schlag in den Nacken. Hätte ich mich nicht auf seine Arme gestützt, würde ich nicht gleichzeitig auch seine sanfte und doch raumfüllende Stimme hören, ich würde ihn für eine &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Fata_Morgana&quot;&gt;Fata Morgana&lt;/a&gt; halten, eine Luftsspiegelung, eine Sinnestäuschung. Nur beissen Sinnestäuschungen nicht in meine Schinkenbrötchen und trinken meinen Rotwein. Je mehr ich mir das klar mache, desto realer kommt er mir vor, auch wenn meine Augen um ihn herum, und nur um ihn herum, ein Flimmern wahrnehmen wollen. Die restliche Welt ist flimmerfrei.&lt;br /&gt;
&quot;Aber ich erzähle und erzähle... was ist mit dir, wie ist es dir ergangen? Gibt es eine Frau ind einem Leben?&quot; Er berührte einen wunden Punkt. &lt;br /&gt;
&quot;Es gab eine, ja, war eine längere Geschichte, aber dann haben wir uns auseinander gelebt, wie man so sagt. Ist noch ziemlich frisch, die Trennung, aber es tut nicht so weh wie meine Nase. Die &lt;a href=&quot;http://www.poster-24.de/images/fc00_00022.jpg&quot;&gt;Hoffnung stirbt zuletzt&lt;/a&gt;. Es ist jetzt kälter, aber ruhiger. Winter.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Jaja, viel Platz hier.&quot; Conny blickte sich um in meinem geräumigen Wohnzimmer, dem Essplatz im Erker, Blick in den Garten. Ich hatte das Haus  günstig erwerben können. Damals war es in einem erbärmlichen Zustand. Der Vorbesitzer hatte es verkommen lassen und seine Erben konnten sich das Haus einfach nicht leisten. Ein großes Eckgrundstück, direkt am Park gelegen, mit fünf Wohnungen. Ich erzählte, wie ich die Mieter im Erdgeschoss abgefunden hatte, um selber einziehen zu können, wie ich aufwändig renoviert hatte, vieles selber gemacht, stolz zeigte ich auf die Türen, die glatt verputzten Wände, die frisch geölten Holzdielen. &quot;Seit ich nun sicher weiß, dass Mona hier nicht mit mir wohnen wird, denke ich an eine kleinere Wohnung im Dachgeschoss. Ich meine, hier krieg ich ordentlich Miete rein. So ganz umsonst war das Haus nun doch nicht.&quot;&lt;br /&gt;
So schnell es mein Gesamtzustand zuließ, drehte ich meinen Kopf zu Conny hin. Ich hätte schwören können, aus den Augenwinkeln gesehen, war er fast durchsichtig geworden. Doch wie ich ihn direkt ansah, war alles normal - bis auf das Flimmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span style=&quot;font-style:italic;&quot;&gt;tonbandprotokoll vom 23. Mai 2006, eingeschaltet 11:30 uhr, abgeschaltet 12:42 uhr.&lt;br /&gt;
niederschrift vom 17. juni des selben jahres&lt;/span&gt;</description>
    <dc:creator>hagbarth</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://imachine.twoday.net/topics/Das+Firmament&quot;&gt;Das Firmament&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 hagbarth</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-11T22:35:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://imachine.twoday.net/stories/4621753/">
    <title>Der Fremde</title>
    <link>http://imachine.twoday.net/stories/4621753/</link>
    <description>Von Beruf bin ich Musikverwerter. Das hat überhaupt nichts mit vermarkten oder dem Einsatz von Musik in bestimmten oder unbestimmten Bereichen / Umgebungen zu tun, wie die meisten Menschen glauben, denen ich meine Berufsbezeichnung nenne; ich bin viel mehr so etwas wie ein Schrotthändler, eine Müllverwertung, Rohstofftrennung. Mir gehört eine Art grüner Punkt im Musikgeschäft. Wenn ein Musikstück ausgedient hat, wenn es so gut wie überhaupt nicht mehr gespielt wird, was mit den meisten Stücken geschieht, was niemand merkt, da sie nicht gespielt werden, landet es früher oder später bei mir. Ich nehme es auseinander, denn es sind noch jede Menge Teile dran, die wieder verwertet werden können. Manchmal hat ein Stück einen sehr guten und brauchbaren Rhythmus, den man so wie er ist belassen und in ein neues Stück einsetzen kann. Aber das meiste wird doch in alle Einzelteile zerlegt und in den Kreislauf eingespeist. Meist ärmere Komponisten, denen neues Material zu teuer ist, holen sich dann bei mir, was sie brauchen können. Natürlich hört man es, wenn altes Material benutzt wurde, auch wenn ich es runderneuert oder gereinigt hatte, weswegen die Komponisten weiterhin arm bleiben. Ich erinnere mich jedoch an einen Kunden, der aus ein paar sehr einfachen Strukturen einiger Schlager aus den Sechzigern und frühen Siebzigern ein Stück zusammensetzte, was  die richtige Band in die Finger bekam und daraus wurde ein Hit. Nur im deutschsprachigen Raum, obwohl der Text englisch gesungen wurde. Aber die verwendete Musik hatte wohl immer noch den deutschen Klang. Er, der Komponist, hat dann versucht, an das Erfolgsrezept anzuknüpfen, aber er hat natürlich neues Material verwendet, 1a digital erzeugte Retrotöne. Das ist dann fürchterlich gefloppt. Doch der Gewinn aus dem einen Song hat gereicht für eine kleine Hütte auf Malle und da hockt er jetzt in der Abendsonne bei einer Flasche Rotwein und versucht alten Wein in neue Schläuche zu füllen - oder umgekehrt. &lt;br /&gt;
So etwas kommt selten vor. Auch bediene ich weniger das Schlagergeschäft. Meine Kunden machen eine Art  Unterhaltungsmusik. Wenn es die Bezeichnung &quot;volkstümlich&quot; erhält, ist das schon  niveauvoll gegenüber dem, was die meisten anderen machen. Es ist im großen und Ganzen scheussliches Zeugs, was von einem ausgemusterten drittklassigen Sänger zur Eröffnung eines Möbelmarkts ins Mikro gehustet wird und danach nie wieder jemandem zu Ohren kommt. So ist meine Arbeit nicht gerade rühmlich zu nennen. Ich sorge nur dafür, dass nicht der ganze Schrott in der Gegend rumliegt. Er verschwindet nicht aus der Welt, weil wieder neuer Schrott daraus hergestellt wird, aber so hält er sich in Maßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich besitze ein kleines Büro in einem Ladenlokal einer Vorstadtsiedlung. Die Erbauer wollten wohl Soziostruktur mit einplanen, es sollten im Viertel Läden entstehen, in denen die Bewohner einkaufen würden. Aber quasi zum Bezugstermin eröffnete gegenüber, auf der anderen Seite der Schnellstraße, ein riesiger Supermarkt mit Parkplätzen und einer Hähnchenbraterei vor der Tür. Die Bewohner dieser Siedlung gehören größtenteils jener sozialen Schicht an, die schon aus der Unfähigkeit zur Urteilsbildung davon überzeugt sind, dass in einem riesigen Supermarkt billiger und besser einzukaufen sei als in einem kleinen Einzelhandelsgeschäft. So machten die Bäckerei, der Metzger und das Schuhgeschäft ziemlich rasch einen Rückzieher. Die Apotheke hielt drei Einbrüche lang durch, dann wurde auch sie geschlossen und nur ein Kinderbetreuungsprojekt der Stadt und der Friseur sind noch von den ersten Mietern übrig. In den anderen Ladenlokalen haben sich ein Computer- und Handyhändler, eine Teilzeitarbeitsvermittlung und ausser mir noch eine griechische Änderungsschneiderin  eingerichtet, sechs weitere Läden stehen leer.  Mich stört die Umgebung nicht und ich störe meine Umgebung nicht. Die Jugendlichen versuchten eine Zeit lang, mich mit ihren halbstarken Sprüchen einzuschüchtern, wenn ich morgens zur Arbeit kam oder Abends wieder den Laden verließ. Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe, aber inzwischen lassen sie mich nicht nur in Ruhe, ich glaube, sie respektieren mich sogar. &lt;br /&gt;
Früher hatte ich einen Laden in der Nähe der Altstadt, mit einem großen Lagerraum. Inzwischen wickel ich aber die meisten Geschäfte über das Internet ab, es kommt selten vor, dass mich ein Kunde hier draußen persönlich aufsucht. Die hierher kommen, tun es weniger, um die Ware in Augenschein nehmen zu können, es geht ihnen mehr um ein Schwätzchen. Sie schlagen ihre einsame Zeit bei mir tot und stehlen mir dabei die meine. &lt;br /&gt;
Mit diesem Gedanken im Kopf hob ich ihn, als jemand den Laden betrat. Es gibt nur einen kleinen Verkaufstisch, wie gesagt brauche ich soetwas eigentlich nicht, und der Besucher, der mir fremd war, kam geradewegs auf mich zu. Er war von ungefähr meiner Körpergröße, zartgliedrig gebaut, mit schwul wirkender Kleidung und Beschmückung. Billig schwul. Es gibt durchaus Schwule, die es sich ansehen lassen, mit Stil. Er hatte keinen. Gut, er passte in meinen Kundenkreis. Wie gesagt, er kam geradewegs auf mich zu, trat nahe an mich heran, zu nahe für jemand, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, und stieß mit enormer Wucht seine Stirn gegen meine Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erst spürte ich überhaupt nichts, nur eine ganz besondere Form der Verwunderung, des Erstaunens. Es dauerte exakt einen dreiviertel Takt, in dem Tempo,welches James Last bevorzugte, ehe er die Erleuchtung erlangte. (Von da an wurde er etwas langsamer.) Soweit funktionierte mein Hirn einwandfrei. Gefühlt dauerte es etwa eine Ewigkeit von der Art, wie sie einem vorkommt beim fade out von Hey Jude. Allerdings hörte es abrupt auf und brannte sich dann in mein Gesicht wie jener wunderbare hohe Schrei, mit dem VASTATOR beginnen, der sofort in Gitarrengeheul übergeht.&lt;br /&gt;
Nach einem dreiviertel Takt konnte ich&quot;Du blödes Arsch...&quot; durch die Zähne pressen, dann rammte sein Knie in meine Eier. Hierzu gab es keine Verblüffung mehr, es dauerte auch nur eine Unmerklichkeit, bis ich etwas im Nacken spürte, aber schon nicht mehr als Schlag, da war ich schon weggetreten, im wahrsten Sinne des Wortes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kind hatte ich mir eine Technik angeeignet, mit der ich eine Trance erzeugen konnte. An irgendetwas in meinem Zimmer befand sich eine kleine Metallfeder, ein kurzes, überstehendes Band, welches ich mit dem Daumen zupfen konnte und daraufhin einen Ton wie ploing von sich gab. Mit einem gleichmäßigen Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing-Ploing hole ich mir einen blutigen Daumen und einen Zustoned, für den ich später richtig Geld ausgab, weil ich die KIndermethode entweder vergessen hatte oder nicht turnend genug fand. Ähnliches erreichte ich durch das Wiederholen ein und des selben Wortes, bis es jeglichen Sinn verlor, dafür mich im Samadhi treiben ließ. Also Mantra Shanten. In etwa so war mein Bewußtsein beschaffen, als ich es wieder vorfand. Nur kurz, dann verschwand es wieder für eine unbestimmbare Weile in einem der Metallspinde, die auf der Wiese rumstanden, kreuz und quer, hunderte, ohne erkennbaren Sinn oder Zweck. Dann wurde ich wach und musste auf der Stelle kotzen, ohne Umschweife, zwischen meine Beine und auf meine Schuhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Musikverwerter wird man nicht nach einem sechssemestrigen Kombistudium von Musikwissenschaften und BWL, einer anschließenden zwei- oder dreijährigen Anstellung in einem Musik verwertendem Unternehmen und danach macht man sich mit einem Kredit oder einer Erbschaft selbständig. Nein, so wird man das nicht. Ich habe diesen Beruf erfunden, auch nicht so an einem lauen Sommernachmittag am Ufer des kleines Flusses, der meine Heimatstadt halbiert oder aus einer Laune heraus, nach dem fünften Bier mit Freunden und lautem Hallo.&lt;br /&gt;
Als ich im richtigen Alter war, hatte ich mir die Haare lang wachsen lassen, wie es zu der Zeit Mode wurde, und an der Tankstelle meines Onkels Autos gewaschen, bis ich genug zusammen hatte für ein Fender Rhodes.  Damit bekam ich sofort Zugang zu den &quot;Cadillacs&quot;, einer lokalen Band mit einigermaßen Ruf. Wir spielten in Jugendheimen und alle drei Wochen samstagsabends im Beatkeller, einem schlecht beleumundeten Ableger der Marktschenke, hauptsächlich Stücke der &lt;a href=&quot;http://burland.de/Music/2008/Week%2002/18%20All%20Day%20And%20All%20Of%20The%20Night.mp3&quot;&gt;Kinks&lt;/a&gt;, Manfred Man und Eric Burdon and the Animals. Wenn es uns gefiel, nahmen wir auch die aktuelle &lt;a href=&quot;http://burland.de/Music/2008/Week%2001/07%20All%20Right%20Now.mp3&quot;&gt;Nummer eins&lt;/a&gt; der Hitparade von AFN ins Repertoire.  Als Julie Driscoll mit der Brian Auger Trinity Bob Dylans &quot;Wheels on Fire&quot; in die Charts schob, holten wir Margret Niklaus als Sängerin in die Band. Sie wurde zu unserer Yoko Ono, hing Mark, unserem Gitarristen lähmend im Arm, fickte aber anscheinend dermaßen gut, das er nicht von ihr lassen konnte und so gingen nach vier Jahren die Cadillacs auseinander. &lt;br /&gt;
In einem der Jugendheime hatte ich Kontakt zur Hausherrin, der Pastorin bekommen und zum Zeitpunkt unserer Auflösung spielte ich schon seit acht Monaten in ihrer Kirche zu den Gottesdiensten, obwohl Religion nicht an mich ging. Aber die Pastorin fickte auch gut. Es machte mir nichts aus, dass sie ungefähr zehn Jahre älter war als ich, es gefiel mir sogar, zumindest eine ganze Weile.&lt;br /&gt;
Nach dem Abitur hatte ich ein Biologiestudium angefangen, weil mir der Unterricht in der Schule Spass gemacht hatte. Aber es ist nicht richtig, zu sagen, ich hätte ein Studium angefangen. Ich hatte mich eingeschrieben und gelegentlich ging ich außer in die Mensa auch in die eine oder andere Vorlesung. Zum Bund brauchte ich nicht wegen einer Verkrümmung des Rückgrads. Das hatte zwar sonst noch niemand bemerkt, aber mir sollte es recht sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann fing die Pastorin an zu nerven, ich müsse mich um einen anständigen Beruf kümmern, fand Lehramt Biologie und Musik doch eine angenehme Verbindung, träumte von meinen langen Ferien, in denen wir mit einem selbstgebauten Segelboot zwischen den griechischen Inseln kreuzen würden, was dazu führte, das ich mich per Autoüberführung nach Marocco absetzte. Eine Zeit lang fühlte ich mich da ganz wohl, dann ging ich rüber nach Spanien, lebte zwei Jahre in Granada mit Gitarre und Mundharmonika als Straßenmusiker in einem besetzten Haus und kam gerade rechtzeitig zum Deutschen Herbst wieder in die Heimat. Mich interessierten RAF, Schleyer, Stammheim allerdings reichlich wenig. In Heidelberg traf ich auf einer Parkbank einen ehemaligen Kommilitonen. Er hatte gerade von einem entfernten Onkel  in der Nähe von Darmstadt eine kleine Villa geerbt. In deren Keller stand eine Art Druckmaschine und eine Art Computer. Letzteres hatte mit dem, was man heute darunter versteht, nur gemein, dass es eine Tastatur und den Bildschirm gab. Alles Andere war alles anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erzähle Ihnen das alles, diesen biografischen Schnelldurchlauf, damit Sie verstehen, Kotze zwischen den Beinen und auf den Schuhen war für mich nicht unbedingt was absolut Neues. Sowas hatte es schon in verschiedenen Etappen gegeben, hatte aber bisher immer einen hedonistischen Hintergrund. Das jetzt hier war anders und die Schmerzen hatten auch ganz andere Zentren. Mein Nasenbein musste gebrochen sein, auch klebte Blut an meiner Oberlippe.  So lange ich da saß, fühlten sich meine Hoden nur erträglich geschwollen an. Aber ich wollte aufstehen und das gestaltete sich etwas umständlicher als zunächst gedacht. Nach dem ersten Versuch gönnte ich mir eine Verschnaufpause. In der wollte ich meine Situation analysieren, aber auch das gestaltete sich umständlicher, weil vorerst anscheinend an klares Denken nicht zu denken war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war ein &lt;a href=&quot;http://www.cca.org/vector/images/tek.jpg&quot;&gt;Tektronics 4013&lt;/a&gt;, ein Storage Tube Vector Graphics Terminal aus dem Jahre 72 mit einer Auflösung von 1024 x 768. Und er war gefüttert mit einem SCORE Programm, dem besten und zu der Zeit wahrscheinlich einzig tauglichen, mit dem Musiknoten geschrieben werden konnten. Die &quot;Druckmaschine&quot; war ein 100dpi Pen Plotter, der fast quadratmetergroße Bögen ausspuckte, die dann phototechnisch auf A4 verkleinert wurden. &lt;br /&gt;
Cornelius (Conny) Rotenburger hatte mit der Villa auch den Notenverlag seines Onkels geerbt und nicht die Bohne Ahnung, was das soll und wie es geht. Das war der Moment, in dem sich jener Wunsch der mir inzwischen doch recht fernen Pastorin erfüllte und ein zwar ungewöhnlicher aber anständiger Beruf von meinem Leben Besitz ergriff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen war ich auf den Knien, konnte mich mit meiner rechten Hand an der Ladentheke halten, während mein Magen noch einmal durch den Doppellooping fuhr. &lt;span style=&quot;font-style:italic;&quot;&gt;(An dieser Stelle fällt der Autor die Entscheidung, später einen Chinesen namens Lu Ping in die Handlung einzuführen, aber das hat noch Zeit - &lt;a href=&quot;http://www.bild.t-online.de/BTO/leute/2007/11/26/britney-adoption/britney-spears-zwillinge,geo=3067146.html&quot;&gt;vielleicht auch Zwillinge&lt;/a&gt; - Do und Lu Ping, inzwischen hat der Autor diese Entscheidung auch schon wieder verworfen, weil weiter als bis hier trägt der Witz nicht. Später dann immer wieder den gleichen Kalauer zu erzählen, wenn die beiden mehr als nur mal kurz auftauchen sollen, was sie ja jetzt schon getan haben, das wird genauso langatmig  und fad wie das fade out bei Hey Jude)&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
Es kam nichts mehr und so stemmte ich mich langsam hoch. Aus irgendeinem Grund hing mein linker Arm wie ein leerer Jackenärmel an meiner Schulter. Ich konnte ihn spüren, aber nicht bewegen.&lt;br /&gt;
Ich wollte, das jetzt einer käme und mich nach Hause brächte, mich auf mein Sofa legte, mir das Blut aus dem Gesicht wüsche und mir eine heiße Suppe machte. Aber es kam niemand, wer hätte auch kommen sollen. Von draussen konnte niemand in den Laden sehen, weil ich eine weiße Folie auf die Scheibe geklebt hatte. Hier gibt es für gewöhnlich nichts zu sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Telefon war kaputt, auf den Boden geschmissen und / oder draufgetreten. Die Computertastatur war auch hin. &lt;br /&gt;
Letzte Herbst hatte mir einer meiner Stammkunden aus seinem Griechenlandurlaub eine kleine Statue des &lt;a href=&quot;http://www.artchive.com/artchive/g/greek/discobolos.jpg&quot;&gt;Diskuswerfers&lt;/a&gt; nach Myron mitgebracht, die steckte jetzt kopfüber zwischen den Tasten. Im ersten Augenblick verfluchte ich mich, weil ich das Ding verwahrt hatte, obwohl ich für solche Souverniers nichts übrig habe und schon Sorge hegte, nun würden andere Kunden glauben, ich fände Gefallen an Nippesfiguren oder Statuen von nackten Jünglingen und in zwei, drei Jahren wäre die Bude voll damit. Aber der Wüstling, der trotz seines schwulischen Auftretens wohl nichts für nackte Jünglinge empfindet, hätte etwas anderes gefunden gegen die Tastatur, wäre der Knabe schon früher in den Müll gewandert. &lt;br /&gt;
Aktenordner lagen halb entleert über den Boden verstreut, die Kaffekanne darüber ausgegossen, die Aschenbecher entleert. Ein paar Bilder waren von den Wänden geholt, einige hingen unbeachtet. Es war alles sehr ordentlich durcheinander gebracht worden. Wie von einem hochbezahlten Film-Requisiteur. So hatte es auszusehen nach einem gewaltsamen Eindringen, einem Niederschlag, einem Überfall. Das war glaubhaft, nicht zuviel und nicht zuwenig. Jeder, ob Profi oder Laie, wird sich davon überzeugen lassen, dass hier was gesucht worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kam mir nur nichts in den Sinn, was man bei mir hätte suchen wollen. Hier gibt es werde Geld noch Schmuck noch Geheimnisse. Darum ging es. Das war alles so glaubwürdig, dass ich mit dieser Aussage unglaubwürdig würde. Mir drehte sich wieder der Magen. Es ging darum, die Polizei aus dem Spiel zu lassen. Aber worum ging es sonst noch? Ich hatte keine Ahnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entwickelte sich so, dass Conny schon das Geklapper der Tastatur, erst recht der Plotter, zu laut war, er sich immer mehr in das obere Stockwerk zurückzog und anfing in japanischen Mönchskleidern rumzulaufen. Nach anderthalb Jahren einigten wir uns dahingehend, dass er nach Japan ging zum Meditieren, während ich in der Villa blieb und den Verlag weiterführte, wofür er von mir eine ausreichende monatliche Beteiligung überwiesen bekam; eine Regelung, die uns beide für eine lange Zeit zufrieden stellte.&lt;br /&gt;
Soviel ich weiß, hat sich in seinem Leben seither nicht viel geändert. Er läuft immer noch in japanischer Mönchskleidung rum, sitzt sich immer noch den halben Tag den Hintern platt, um das Geplapper der Synapsen zu reduzieren und wahrscheinlich wäre es ihm scheißegal, wenn er wüsste, dass ich ihn bei der Fusion des Verlags mit Schott und dem Verkauf der Villa kräftig übers Ohr gehauen hab. Immerhin hatte ich zwölf Jahre meines Lebens in das ganze Unternehmen gesteckt, was aus dem Keller raus- und fast bis unter das Dach der Villa gewachsen war. Wir schrieben Noten mit Computern, das ging schneller als alle anderen Verfahren und wir waren so gut, dass es die meisten Kritiker dieser Entwicklung nicht einmal bemerkten. Ich hatte in den Jahren das Programm so weit verbessert, dass ich Schott 1990 überreden konnte, es einzusetzen. Es kostete Schott viel Geld und es kostete viele Arbeitsplätze. Weil es zumindest in den ersten Jahren ohne mich nicht ging, musste Schott mich mitkaufen. So kam ich hierher in unsere kleine Stadt, wo ich mir ein bescheidenes Vermögen auf die Seite legen konnte. 1995 stieg ich aus und machte mich als Musikverwerter selbständig. &lt;br /&gt;
Jetzt wissen Sie in groben Zügen Bescheid. Ich hoffe, Sie sind die richtige Person, um mir aus dem ganzen Dilemma rauszuhelfen. Bis hierher gehts ja noch, aber warten Sie ab, es wird noch richtig düster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span style=&quot;font-style:italic;&quot;&gt;tonbandprotokoll vom 23 Mai 2006, eingeschaltet 7:13 uhr, abgeschaltet 10:46 uhr.&lt;br /&gt;
niederschrift vom 17. juni des selben jahres&lt;/span&gt;</description>
    <dc:creator>hagbarth</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://imachine.twoday.net/topics/Das+Firmament&quot;&gt;Das Firmament&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 hagbarth</dc:rights>
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